Alkoholfreien Glühwein selber machen ist ganz einfach: Gewürze, Orangensaft und etwas Honig kurz aufkochen, roten Traubensaft und Apfelsaft dazugießen und 15–20 Minuten bei etwa 80 °C ziehen lassen. Das Ergebnis ist ein würziger Winterpunsch mit Zimt, Nelken und Sternanis – komplett ohne Wein und für die ganze Familie.
Auf dem Weihnachtsmarkt kostet ein Becher inzwischen gern vier Euro und mehr – und schmeckt oft eher nach Zucker als nach Gewürzen. Selbst gemacht hast du es in der Hand: Du wählst einen guten Direktsaft, dosierst die Süße nach deinem Geschmack und bestimmst, welche Gewürze den Ton angeben. Bei uns gehört der erste Topf Punsch zum ersten Adventswochenende wie das Plätzchenbacken, und alle trinken mit, von den Kindern bis zu den Großeltern. Der wichtigste Grundsatz vorweg: Punsch wird erhitzt, nicht lange gekocht. Wer ihn sprudelnd kocht, bekommt bittere Gewürze und einen flachen Geschmack.
Welcher Saft eignet sich für alkoholfreien Glühwein?
Die Basis ist ein roter Traubensaft: Er bringt die tiefrote Farbe, eine schöne Fruchtsüße und eine leichte Gerbstoffnote, die an den Weihnachtsmarkt erinnert. Nimm möglichst Direktsaft statt Saft aus Konzentrat – er schmeckt voller und weniger süß. Apfelsaft sorgt für Frische und Säure.
| Saft | Charakter im Punsch | Passt besonders zu |
|---|---|---|
| Roter Traubensaft | tiefrot, fruchtig, leicht herb | dem klassischen Rezept |
| Naturtrüber Apfelsaft | frisch, mild, säuerlich | Vanille, Ingwer und Honig |
| Johannisbeer- oder Kirschsaft | kräftig, säuerlich, dunkle Frucht | wenig Süße, mehr Zimt |
| Hibiskus-Früchtetee | herb, intensiv rot | als Teilersatz gegen zu viel Süße |
Mein Richtwert: Traubensaft und Apfelsaft im Verhältnis 3 : 1. Süßen musst du meist kaum – probiere erst am Ende und gib dann bei Bedarf einen Löffel Honig dazu.
Die Punsch-Gewürze – und wie viel davon
- Zimtstangen bringen die warme Grundnote. Ganze Stangen statt Pulver verwenden, sonst wird der Punsch trüb und staubig.
- Gewürznelken sind sehr intensiv. Mehr als 5–6 Stück pro Liter machen den Punsch medizinisch und bitter.
- Sternanis sorgt für die feine Lakritz-Note, die viele vom Weihnachtsmarkt kennen.
- Kardamom ist mein Geheimtipp: Zwei, drei angedrückte Kapseln machen den Punsch frischer und weniger schwer.
- Orange und Zitrone geben Säure und Frische. Unbedingt Bio-Früchte nehmen, weil die Schale mitzieht – und nur das Orange bzw. Gelbe ohne weiße Haut verwenden.
Fertige Gewürzmischungen für Punsch funktionieren auch, schmecken aber oft einseitig nach Nelke. Ganze Gewürze kannst du nach dem Ziehen einfach herausfischen und hast die volle Kontrolle.
Zutaten für 6 Becher
- 750 ml roter Traubensaft (Direktsaft, ungesüßt)
- 250 ml naturtrüber Apfelsaft
- 200 ml Orangensaft (frisch gepresst oder Direktsaft)
- 1 Bio-Orange
- ½ Bio-Zitrone
- 2 Zimtstangen
- 5 Gewürznelken
- 2 Sternanis
- 3 Kardamomkapseln, leicht angedrückt
- 1–2 EL Honig oder brauner Zucker (optional, der Saft ist schon süß)
- Optional: 150 ml kräftiger Hibiskus-Früchtetee für eine herbere Note
Tipp: Rechne pro Person mit 2 Bechern à 200 ml. Für eine Feier mit 10 Gästen brauchst du also etwa 4 Liter – einfach alle Zutaten vervierfachen, die Nelken aber nur verdreifachen.
Zubereitung – Schritt für Schritt
- Zitrusfrüchte vorbereiten. Wasche Orange und Zitrone heiß ab und trockne sie. Schneide die halbe Orange in dünne Scheiben, von der anderen Hälfte und von der Zitrone schälst du mit dem Sparschäler je 2–3 breite Streifen Schale ab – ohne das bittere Weiße.
- Gewürzsud ansetzen. Gib Orangensaft, Honig, Zimtstangen, Nelken, Sternanis, Kardamom und die Schalenstreifen in einen großen Topf. Lass alles bei mittlerer Hitze 5 Minuten leise köcheln, bis die Küche nach Weihnachten duftet.
- Säfte zugießen. Gieße Traubensaft, Apfelsaft und nach Wunsch den Früchtetee dazu und reduziere die Hitze. Der Punsch soll heiß werden, aber nicht sprudelnd kochen – ideal sind etwa 80 °C, also kurz bevor sich am Rand kleine Bläschen bilden.
- Ziehen lassen. Lass den Punsch mit Deckel 15–20 Minuten auf kleinster Stufe ziehen. Gib in den letzten Minuten die Orangenscheiben dazu.
- Abschmecken und servieren. Probiere und gib bei Bedarf etwas Honig oder einen Spritzer Zitronensaft dazu. Fische Gewürze und Schalen mit einer Schaumkelle heraus oder gieße den Punsch durch ein Sieb und serviere ihn sofort in vorgewärmten Bechern.
Heller Apfelpunsch – fruchtig und mild
Als helle Variante mache ich gern einen Apfelpunsch. Er schmeckt leichter und frischer und hinterlässt keine roten Flecken auf der Tischdecke. So geht er: 1 l naturtrüben Apfelsaft mit 250 ml weißem Traubensaft, 2 EL Honig, 1 Zimtstange, 1 Sternanis, 1 aufgeschlitzten Vanilleschote, 2 Streifen Zitronenschale und 3 Scheiben frischem Ingwer erhitzen und wie oben 15 Minuten ziehen lassen.
Kinderpunsch mit Früchtetee
Für Kinder, die es weniger süß und würzig mögen, setze ich manchmal eine mildere Version auf. Sie basiert auf Früchtetee und Saft und bekommt dieselben Gewürze, nur sparsamer:
- 500 ml kräftiger Früchtetee (Hagebutte-Hibiskus), 8 Minuten gezogen
- 500 ml roter Traubensaft oder Apfelsaft
- 200 ml Orangensaft
- 1 Zimtstange, 2 Nelken, 1 Sternanis, 1 Bio-Orange in Scheiben
- 1–2 EL Honig oder Zucker nach Geschmack
Alles zusammen erhitzen und 10 Minuten ziehen lassen – fertig ist ein milder Kinderpunsch.
Punsch-Varianten für Abwechslung
- Beerenpunsch: 300 ml des Traubensafts durch Heidelbeer-, Kirsch- oder Johannisbeersaft ersetzen.
- Ingwer-Orangen-Punsch: 4 Scheiben frischen Ingwer und den Saft von zwei weiteren Orangen mitziehen lassen – herrlich wärmend bei Erkältungswetter.
- Bratapfel-Punsch: Nur Apfelsaft verwenden, eine Vanilleschote und eine Handvoll Rosinen mitziehen lassen und mit gerösteten Mandelblättchen servieren.
- Gewürzsirup zum Vorbereiten: Orangensaft, Honig, Gewürze und Schalen 10 Minuten köcheln, abseihen und in eine saubere Flasche füllen. Im Kühlschrank hält der Sirup etwa eine Woche; zum Servieren einfach 1 Teil Sirup mit 4 Teilen Saft erhitzen.
Tipps, damit dein Punsch gelingt
- Nicht sprudelnd kochen: Sobald der Topf dampft und am Rand Bläschen bilden, Hitze herunterdrehen.
- Gewürze nicht stundenlang ziehen lassen: Nach 30–40 Minuten werden Nelken und Zitrusschalen bitter. Für Feiern lieber herausnehmen und den Punsch auf kleiner Stufe warm halten.
- Warmhalten auf Partys: Ein Slow Cooker auf „Warm“ oder ein Thermobehälter hält den Punsch über Stunden trinkfertig.
- Becher vorwärmen: Kurz mit heißem Wasser ausspülen – so bleibt der Punsch länger heiß.
- Dazu passen: Plätzchen, Lebkuchen, gebrannte Mandeln oder ein herzhafter Snack. Zum Raclette- oder Fondueabend serviere ich gern einen Topf Punsch vorab – die passenden Dips findest du bei meinen Saucen und Dips.
Aufbewahren & Aufwärmen
Übrig gebliebenen Punsch ohne Gewürze und Orangenscheiben abseihen, abkühlen lassen und in einer gut verschlossenen Flasche im Kühlschrank aufbewahren. So hält er 2–3 Tage. Zum Aufwärmen langsam bei kleiner Hitze erhitzen. In der Mikrowelle geht es portionsweise bei mittlerer Leistung. Einfrieren lohnt sich nicht; der Gewürzsirup ist die bessere Art, Punsch vorzubereiten.
Du planst schon das Festessen? Zum Gänsebraten passt meine fruchtige Cumberlandsauce, und mit Apfelrotkohl und Semmelknödeln ist das Weihnachtsmenü komplett.


